Navigation überspringen

Die Volksschule


VolksschuleEs steht fest, dass gleich nach dem Dreißigjährigen Krieg in Kahl ein "Schulmeister" wirkt. Die "Schulstube" war nach alten Beschreibungen und Hinweisen in einem Gebäude am "Oberen Tore" untergebracht. Es war sicher ein kleines Bauernhäuschen und stand vermutlich am gleichen Platz, den heute das Pfarrheim in der Hauptstraße einnimmt.
Einige Jahrzehnte, nachweisbar bis 1690, besuchten auch die Großwelzheimer diese Schule, und der Kirchweg war auch ihr Schulweg. Zum Unterhalt der Schule und des Lehrers fielen auf Großwelzheim die Hälfte aller Ausgaben und Unkosten. Freilich wehrte sich Großwelzheim, als es später schulisch selbständig war; Prozesse wurden um 1780 wegen der Ausgaben für die Kahler Kirche geführt. Doch erst 1870, nachdem das einstige Schulgebäude einem anderen Zweck zugeführt wurde, brauchte Großwelzheim nichts mehr zu zahlen.

Um 1700 hielt ein Johannes Konrad Fuchs hier den Unterricht, vielleicht war er Leinenweber, der das Schulhalten so nebenbei erledigte für sechs Gulden und zwei Malter Korn "Gehalt" im Jahr. Ihm folgten Peter Kopp und Erasmus Huth und 1739 Johann Paulus Sommer aus Sulzbach; dessen Sohn Adam Johann Sommer trat 1761 die Stelle an. Unter ihm hat man im Jahre 1776 die Schulstube vergrößert, weil der Platz für 50 Kinder nicht mehr reichte.

Erst durch den Nachfolger von J. A. Sommer, den Ludimagister (Lehrer) Ostheimer Valentin erfahren wir etwas Genaueres über das Schulgebäude. Er gab 1783 in einem Bericht an seine vorgesetzte Behörde, den "Churfürsten von Mainz" folgendes an: "Es möge ein Stock auf das Haus gestellt werden, damit die höchstnötigen Zimmer für mich und die Meinigen, wie nicht weniger auch eines für die geistlichen Herren eingerichtet werden. Es befindet sich hier ein uraltes, baufälliges Schulhaus, worin nur eine Schulstube und ein modriges Loch zur Lehrerkammer nebst der elenden Kühe, die Stube zu klein, ich kann kaum einen Tisch stellen, viel weniger, dass ich mit Weib und Kinder mich darin bewegen kann. Daher sah sich mein Vorfahr gezwungen, aus Not sich ein eigenes Haus anzuschaffen, damit er die Seinen beherbergen kann."

Im Jahre 1787 wiederholt er seine Bitte und Forderung und wird dabei vom Pfarrer in Hörstein unterstützt. Dieser fügte hinzu, dass sich im Schulhaus zwei Zimmer befinden, wo das eine einem "Schweinstall" ähnelt. Es geschah aber wieder nichts, denn nun folgten die Kriegsjahre der Napoleonischen Zeit. Inzwischen war Kahl hessisch geworden und das Schulhaus war 1804 im "Zustande des Zerfalls". Jetzt versuchte es unser Schulmeister Ostheimer bei der "gräflich hessischen Darmstädter Schulinspektion", da "ich schon zwanzig Jahre darum bitte" - und es sollte ihm gelingen.

Im Jahre 1808, trotz Kriegszeiten, baute die Schulgemeinde ein Haus - "Zweistöckig, einen Schulraum mit mehreren Fenstern, eine Wohnung für den Lehrer, ein Ratszimmer für die Gemeinde - und einen Viehstall mit einem Gesamtwert von 1.300 Gulden".
Dieses Gebäude reichte 1840 wieder nicht mehr aus, denn Kahl hatte 80 Werktagsschüler. Im Jahre 1841 erfolgte der Umbau mit einem Aufwand von 969 Gulden 2 Kreuzer - worin für 570 Gulden allein Zimmermannsarbeiten waren. Am 1. April 1870 vertauschte die Gemeinde Kahl a. Main ihr Schulhaus gegen das heutige Rathaus. Dieses alte "Mauthaus" gehörte dem Schreiner Georg Bessenbacher und war eine Wirtschaft. Bessenbacher erhielt noch 4.000 Gulden Aufgeld. Aus dem Schulhaus wurde ein Gasthaus - "Zur Krone" genannt.

Das alte Zollhaus wurde nun umgebaut, zwei Schulsäle, eine Lehrerwohnung und ein Kaplaneizimmer eingerichtet. Ein Raum diente der Gemeinde Kahl als Sitzungszimmer. Im Jahre 1916 wurden für die Gemeindezwecke zwei weitere Zimmer in Anspruch genommen und von Mai 1929 an das ganze Erdgeschoss. Im Obergeschoss befand sich bis 1939 noch eine Lehrerdienstwohnung.

Von diesem Jahre ab wurde das ganze Gebäude von der Gemeindeverwaltung als Rathaus verwendet. Im Jahre 1896 wurde das erste Schulgebäude mit 4 Zimmern neben der Kirche errichtet. Im Jahre 1910 erfolgte der Bau der sogenannten "neuen Schule" mit 2 Schulzimmern. In den Jahren 1926 und 1930 wurde sie erweitert auf 7 Schulzimmer. Seit 1951 wurde in zwei behelfsmäßig eingebautren Räumen der Festhalle unterrichtet.

  OK  
Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung