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Geschichtliche Ereignisse
in Auszügen


800 n. Chr.
Ungefähre Zeit der Ortgründung nach den bisherigen Geschichtskenntnissen.
Jüngste Ausgrabungsfunde im nordöstlichen Gemarkungsbereich zeugen jedoch davon, dass es auch zu früheren Zeiten Besiedlungen gab. (Literaturhinweis: Felix Teichner - "Verbündete Roms am Untermain" und Edmund Rücker - "Kahl im Wandel der Jahrhunderte". Die Bücher sind im Rathaus erhältlich.).

11. Jhd.
Beginn der Salztransporte von den Salinen in Bad Orb bis nach Seligenstadt auf dem sogenannten Sälzerweg. Die Salzkarren transportierten das kostbare Salz noch bis zum 19. Jahrhundert. Der Sälzerweg schnitt sich mit der durch Kahl führenden Handels- und Heerstraße Frankfurt-Nürnberg, der heutigen Bundestrasse 8. Diese günstige Verkehrslage verschaffte der Gemeinde einige Bedeutung und trug zu ihrer Entwicklung bei.

1282
Erste bekannte urkundliche Erwähnung von Kahl. Bei dem Dokument handelt es sich um ein Gerichtsurteil der Mainzer geistlichen Richter. Hierin wird der wegen Raubes angeklagte Ritter Friedrich von Ranneberg zur Rückgabe von Raubgut verurteilt, darunter Eigentum der Petrissa "de Calde".
In dem in lateinischer Sprache verfassten Dokument aus Pergament wird Kahl als "Calde" bezeichnet. Dieser Name entwickelte sich im Althochdeutschen aus der frühesten Ortsbezeichnung "Kaldaha". Das bedeutet soviel wie "Ort am kalten Wasser" (aha = Wasser)

Um 1300 bis 2000
Politische Zugehörigkeiten: Im Centgericht Hörstein gehörte Kahl zunächst zum Freigericht Wilmundsheim, dem heutigen Alzenau. Dort verblieb es bis 1740. Die Gerichtsherren und Herrschaften waren um 1300 die Herren von Ranneberg, von 1337 bis 1425 die Herren Eppstein und Kronberger. Ihre Rechts wurden 1425 an Kurmainz verkauft und ab 1500 im gemeinsamen Mannslehen mit den Grafen von Hanau ausgeübt. Ab 1740 ging die politische Zugehörigkeit ganz an das Kurerzbistum Mainz über. Nach seiner Auflösung 1803 durch Napoleon gehörte Kahl zu Hessen-Darmstadt. Ab 1816 bis heute ist Kahl bayrisch.

1638
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) hatten Truppeneinlagerungen, Plünderungen, unvorstellbare Grausamkeiten, Krankheiten -es grassierte die Pest - dazu geführt, dass der "Flecken" Kahl menschenleer war. Bemühungen des Landesherrn, des Erzbischofs und Kurfürsten zu Mainz Johann Philipp von Schönborn, wieder Bevölkerung in dem gesamten "fast zugrunde gerichteten Erzstift" anzusiedeln, führten in Kahl zu dem Ergebnis, dass es bis 1669 in achtzehn Familien wieder sechsundsiebzig Einwohner gab.

1743
Schlacht bei Dettingen. Im österreichischen Erbfolgekrieg fand die entscheidende Schlacht zwischen Österreichern und Engländern auf der einen Seite und den Franzosen auf der anderen Seite in Dettingen statt. Die Franzosen unterlagen und mussten das Feld räumen. Die Österreicher und Engländer zogen ihnen nach. Bei den Truppenaufzügen hatten das an der Heerstraße liegende Kahl und die Dörfer ringsum darunter zu leiden, dass sie ausgeplündert, ihre Felder verwüstet und das Vieh geraubt wurde. Selbst die Kirchen blieben nicht verschont.

1796 bis 1815
Franzosenzeit. "Kriegskostenrechnung" für Einquartierungen, Kriegslieferungen, Vorspann- und Fuhrdienste bei Truppendurchzügen von Vorposten der kaiserlichen Armee, Franzosen, Spaniern und Mainzer Militär mit Österreichern, brachten die Gemeinde in große Not und Verschuldung.

1854
Kahl wird Bahnstation. Die Bahnstrecke Hanau - Aschaffenburg wird nach zwei Jahren Bauzeit an die bereits seit 1846 bestehende Bahnstrecke Frankfurt - Hanau angeschlossen.

1866
Im deutschen Bruderkrieg war Kahl die einzige Gemeinde im ganzen Bezirk, die von Preußen überfallen wurde. Ein Zeitzeuge schildert in einer "Bittschrift um Verleihung eine Entschädigung wegen erlittener Einquartierung" wie in einer Nacht "6 - 7 Tausend Mann Preußen" in Kahl, einer Gemeinde mit 98 Häusern, einquartiert wurden. Wieder entstanden hohe Kosten. Sie wurden jedoch zum Teil durch das "Hauptkomitee zur Unterstützung der durch den Krieg bedrängten Orte Unterfrankens" und durch das Königliche Bezirksamt Alzenau getragen.

1898
Mit dem Bau der Kahlgrundbahn von Kahl nach Schöllkrippen wurden die Gemeinden des Kahlgrunds verkehrsmäßig erschlossen. Hierfür hatten sich die in wirtschaftlicher Not lebenden Gemeinden des Kahlgrundes selbst und die Städte Hanau und Aschaffenburg eingesetzt. Letzter wollten die Beziehungen zu einem wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse nur locker verbundenen Hinterland festigen.

1902 bis 1932
Bei Probebohrungen stieß man auf große, abbauwürdige Braunkohlevorkommen. Aus dem einfachen Dorf wurde eine aufstrebende, florierende Gemeinde. "Die Gewerkschaft Gustav" beschäftigte über 1000 Arbeiter aus Kahl und Umgebung. Über dreißig Jahre wurde die braunkohle im Tagebau in mehreren Gruben, die z.T. bis an den Ortsrand von Kahl reichten, von der Gewerkschaft Gustav abgebaut. Die Einwohnerzahl war 1930 auf 3.100 angewachsen. Um so größer war die Not, als 1932 alle Braunkohlegruben schlagartig stillgelegt wurden und die Belegschaft entlassen wurde.

1914 bis 1918
Erster Weltkrieg

1939 bis 1945
Zweiter Weltkrieg
Während der beiden Weltkriege blieb der Ort von Kriegshandlungen und Zerstörungen verschont. Die wirtschaftliche Not herrschte wie überall in Deutschland. Kriegsopfer, Vermisste und Gefallene waren ebenfalls zahlreich zu beklagen.

1937 bis 1958
Sand- und Kiesabbau in dem offen gebliebenen Tagebau "Freigericht Ost". Aufgrund des nach dem Krieg eingesetzten Baubooms erwies sich dies als großer wirtschaftlicher Nutzen für die Gemeinde. Heute bieten die ehemaligen Gruben - von klaren Grundquellen gespeist - eine Vielzahl von Seen mit idealen Bademöglichkeiten. Sie sind als die "Kahler Seenplatte" weithin bekannt.

1959
Anlage und Eröffnung des Kahler Campingplatzes mit großem Freizeitangebot am See "Freigericht-Ost".

1960 bis 1985
Inbetriebnahme des "Versuchsatomkraftwerk Kahl". Es war das erste Atomkraftwerk in Deutschland, das Strom in das öffentliche Netz lieferte und fand deshalb viel Beachtung in der gesamten Bundesrepublik sowie im Ausland.
Diese Anlage auf Karlsteiner Gemarkung gehört auch zu den ersten, die wieder restlos rückgebaut werden. 1985 wurde der Reaktor abgeschaltet.


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